Zahlreiche Unternehmen, vom Start-up bis zum Großkonzern, entscheiden sich für eine Strategie der Internationalisierung, um ihr Geschäft auszubauen. Die Strategien unterscheiden sich je nach Unternehmen, Managern und Zielländern und deren politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen… Es gilt also sehr viele unterschiedliche Faktoren zu berücksichtigen, damit die internationale Expansion des eigenen Unternehmens zur Erfolgsgeschichte wird. Spanien ist keine Ausnahme von dieser Regel! Erfahren Sie in diesem Artikel 5 Dinge, die Sie vor Ihrem Einstieg in den spanischen Markt unbedingt wissen müssen:

Der Aufschwung des spanischen Marktes

1. Der spanische Markt: Wiederbelebung nach der Krise

Als zwölftgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und viertgrößte in Europa wurde Spanien von der weltweiten Wirtschaftskrise ab 2008 schwer gebeutelt. Das Land glitt schnell in die Rezession ab, und die Arbeitslosenquote stieg schier unaufhaltsam auf den Rekordwert von 26,02 % im Januar 2013.

Ende 2013 jedoch schien der Höllensturz des spanischen Marktes zu Ende zu gehen. Das Wachstum war wieder positiv und erreicht heute ein Niveau, das um das Doppelte über dem Durchschnitt der Eurozone liegt (3,2 % im Jahr 2016 gegenüber 1,7 % in der gesamten Eurozone). Die Arbeitslosenquote ist immer noch sehr hoch (rund 18 % Ende 2016), fällt aber stetig, da seit 2013 1,2 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Die Kaufkraft der 46 Millionen Spanier ist gestiegen, die Inlandsnachfrage boomt, und die Unternehmen des Landes auf der iberischen Halbinsel haben sich entschlossen dem Ausland zugewandt. Deutschland ist übrigens der zweitwichtigste Handelspartner Spaniens: Der Handel zwischen beiden Ländern belief sich 2015 auf über 75 Milliarden US-Dollar. Deutschland ist das wichtigste Herkunftsland von Spaniens Importen (über 14 % im Jahr 2015) und sein Hauptlieferant noch vor Frankreich.

Darüber hinaus sollte man nicht übersehen, dass Spanisch die am zweithäufigsten gesprochene Sprache der Welt nach Mandarin und noch vor Englisch ist. Der spanische Markt ist das Haupteinfallstor für Lateinamerika, da die meisten südamerikanischen Unternehmen ihren europäischen Hauptsitz in Spanien einrichten.

Madrid profitiert auch von großer unternehmerische Dynamik, wobei seine Unternehmer im Durchschnitt höher qualifiziert sind als ihre Kollegen in London oder Paris.

Welches sind die wichtigsten Branchen in Spanien?

2. Die wichtigsten Branchen in Spanien

Die spanische Branchenstruktur unterscheidet sich deutlich von der deutschen: Der Anteil der Landwirtschaft am spanischen BIP ist wesentlich höher, während umgekehrt die Industrie in Spanien in erheblich geringerem Maße zum BIP beiträgt als in Deutschland. 5 % des BIP stammen aus der Landwirtschaft, 22,5 % aus der Industrie und 75 % aus dem Dienstleistungssektor. Säulen der spanischen Industrie sind die Metallurgie-, Zement- und Chemiebranche. Auch die Automobil-, Eisenbahn- und Schiffbauindustrie sind wichtige Wirtschaftszweige. Bei Endprodukten ist der Textilsektor führend, während in der Lebensmittelbranche insbesondere Olivenöl und Wein von Bedeutung sind.

Aber abgesehen davon sind auch viele andere Sektoren der spanischen Wirtschaft zukunftsträchtig:

  • Energie: Im Vergleich zu anderen Ländern ist Spanien immer noch sehr importabhängig (Importe decken noch immer über 78 % des Energiebedarfs), wobei fossile Energiequellen dominieren. Seit mehreren Jahren läuft aber ein Programm zum Ausbau erneuerbarer Energien, und der Anteil von Wind und Sonne an der Energieproduktion ist in stetigem Wachstum begriffen.
  • Luftfahrt: Der spanische Markt ist, gemessen an Arbeitsplätzen und Umsatz der Luftfahrtindustrie, der fünftgrößte Europas. Dieser Sektor wächst seit über 10 Jahren kontinuierlich.
  • Biotechnologie: Spanien ist das Land mit der höchsten Anzahl an Biotechnologie-Unternehmen in Europa, weit vor Deutschland und Frankreich.

Funktionsweise des spanischen Groß- und Einzelhandelsnetzes

3. Das spanische Groß- und Einzelhandelsnetz:

Der spanische Groß- und Einzelhandelsmarkt ist durch hohe Konzentration und Spezialisierung geprägt. Auf den Einzelhandel entfallen fast 200 Milliarden Euro (15 % des BIP), und er beschäftigt 2,5 Millionen Menschen. Allerdings wird der Löwenanteil des Umsatzes von den 5 größten Einzelhandelsunternehmen erzielt: Mercadona, Carrefour, Eroski, Dia et Al campo.

In Supermärkten, Verbrauchermärkten und Discountmärkten werden mehr als 70 % der spanischen Verbraucherausgaben umgesetzt, aber Kaufhäuser und Fachgeschäfte wie El Corte Inglés sind ebenfalls sehr beliebt.

Wenn Sie Ihr Unternehmen in Spanien etablieren möchten, stehen Ihnen zahlreiche Optionen offen:

Einen Absatzmittler oder Handelsvertreter beauftragen

Importhändler, die meist im ganzen Land vertreten sind, spielen für Handelsunternehmen eine wichtige Rolle. Großhändler wiederum decken umgekehrt oft eine bestimmte Region oder Stadt ab.

Handelsvertreter Handelsvertreter sind mit rund 50 000 Personen nicht sehr zahlreich, und obwohl diese Option kostengünstig ist, kann sie intensive Kontrollen und regelmäßige Kontakte mit dem Vertreter erfordern, damit die kontinuierliche Fortführung der Geschäfte auf dem spanischen Markt gewährleistet ist.

Gründung einer Unternehmenseinheit

Dies ist die beste Option, wenn Sie in Spanien Fuß fassen und dabei die Verbraucher von ihrem ehrlichen Engagement vor Ort überzeugen möchten. Sie werden in diesem Fall unbedingt eine gründliche Marktanalyse durchführen oder sich an einen Experten wenden müssen, der Ihnen hilft zu entscheiden, wie Sie sich am besten etablieren können. Beachten Sie, dass die Gründung einer Zweigniederlassung wegen der Komplexität der damit verbundenen Verwaltungsverfahren eher ungewöhnlich ist. Um in Spanien Fuß zu fassen, empfiehlt sich eher die Gründung einer S.A. (die einer deutschen AG entspricht) oder einer S.L. (GmbH).

Implementierung eines Franchisekonzepts

Diese Option erfreut sich bei Unternehmen, die sich in Spanien engagieren möchten, zunehmender Beliebtheit. Dieser Sektor wächst stetig, und wenn die meisten Franchise-Netzwerke auch in Spanien selbst ihren Ursprung haben (Ende 2015 über 82 %), ist Deutschland immerhin auf Platz fünf der ausländischen Ketten, die Franchise-Niederlassungen in Spanien errichten (12 Franchises bzw. knapp 6 % der ausländischen Franchises).

Franchises gibt es vor allem in der Modebranche, im Hotelwesen und bei Dienstleistungen. Es sind also durchaus deutsche Unternehmen über ein Netz von Franchisenehmern in Spanien vertreten.

E-Commerce: ein Boomsektor auf dem spanischen Markt

4. E-Commerce in Spanien

E-Commerce ist in Spanien ein zukunftsträchtiger Sektor. Das Land hat seine führende Position auf dem südeuropäischen E-Commerce-Markt mit einem Umsatz von mehr als 18 Milliarden im Jahr 2015 gefestigt. Allerdings – und das ist zweifellos einer der Gründe, warum E-Commerce eine bedeutende Chance für Unternehmen darstellt, die in Spanien Fuß fassen möchten – trägt dieser Sektor nur etwa 4 % zum Einzelhandelsumsatz bei.

Erwartungsgemäß ist der E-Commerce-Umsatzanteil am höchsten im Bereich Mode (34 %), gefolgt von Elektrogeräten (30 %), Büchern (19 %), Sport und Freizeit sowie Kosmetika (jeweils 16 %). Den größten Online-Umsatz, deutlich mehr als alle anderen Bereiche, machen jedoch Reise- und Tourismusunternehmen.

Fast die Hälfte der Spanier hat im Jahr 2015 mindestens einen Online-Kauf getätigt, und die Umsatzwachstumsprognosen für 2017 für Spanien gehören zu den höchsten in Europa (+31 % im Durchschnitt über alle Kanäle hinweg gegenüber +24 % in Deutschland und +23 % in Europa insgesamt).

Besonderheiten des spanischen Marktes

5. Die Besonderheiten der spanischen Kultur

Spanien ist ein Land mit einer reichen Geschichte: Seine Kultur, Gastronomie und Architektur sind weltberühmt und erfüllen die Spanier mit Stolz. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Spanien das drittwichtigste Touristenziel der Welt nach Frankreich und den Vereinigten Staaten ist!

Im Allgemeinen legen die Spanier bei Einkäufen Wert auf den Preis, und daher sind Rücknahmerichtlinien, Versandkosten und Zahlungsbedingungen von E-Commerce-Websites bedeutende Entscheidungsparameter.

Man sollte sich allerdings vor vorschnellen Verallgemeinerungen hüten: Spanien ist ein großes Land, und die regionalen Unterschiede sind real und tief verankert. Das Land gliedert sich in 17 Autonome Gemeinschaften, die in Bezug auf Gesetzgebung und Besteuerung über eine gewisse Autonomie verfügen. Am größten sind die Unterschiede allerdings auf sprachlichem Gebiet. Kastilisch, das man im Allgemeinen „Spanisch“ nennt, ist Amtssprache und wird in den meisten Gemeinschaften gesprochen. Allerdings gibt in einigen Gemeinschaften insgesamt 4 weitere Sprachen mit offiziellem Status:

  • Baskisch (im Baskenland und einem Teil von Navarra)
  • Katalanisch (in Katalonien, auf den Balearen und in der Region Valencia)
  • Galizisch (in Galizien)
  • Aranesisch (im Val d’Aran).

Außerdem werden in Spanien noch zahlreiche Varianten, inoffizielle Sprachen und Dialekte gesprochen.

Daher müssen Sie Ihrer Zielregion in Spanien besondere Aufmerksamkeit schenken, damit Ihr Angebot den Gegebenheiten vor Ort angepasst ist. Obwohl das kastilische Spanisch erste Amtssprache auf dem gesamten Staatsgebiet ist, spricht man in Barcelona zum Beispiel Katalanisch! Letzteres ist kein Dialekt und keine Variante des kastilischen Spanisch, sondern eine ganz eigene Sprache mit eigener Grammatik und Rechtschreibung, eigenem Vokabular und eigener Aussprache.

Der spanische Markt ist daher ein strategisch bedeutsamer Zielmarkt für Unternehmen, die international expandieren möchten. Spanien hat, wie jede Nation, seine Besonderheiten, und Sie sollten den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zusammenhängen besondere Beachtung schenken, wenn Sie nach Spanien exportieren oder sich dort etablieren möchten.

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Quellen: Sud de France développementRetail Me Not – Statista – Wikipedia

 

http://cdn2.hubspot.net/hub/209596/file-327381624-pdf/Exporter_en_Espagne.pdf
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