Kurz vor Beginn des derzeit tagenden Weltwirtschaftsforums in Davos fand in Frankreich der “Choose France Summit” statt, eine von Präsident Emmanuel Macron initiierte Veranstaltung, die Unternehmenschefs aus aller Welt anlocken sollte, um ihnen den Standort Frankreich schmackhaft zu machen.

Eine von Marketingseite geschickt eingefädelte Operation: #ChooseFrance wurde schnell zu einem der Top-Hashtags auf Twitter am Tag der Veranstaltung, begleitet von der Ankündigung internationaler Unternehmen wie Toyota, Facebook, SAP, Manpower und Google, mehr als 3,5 Milliarden Euro in Frankreich investieren zu wollen.

Doch Frankreich ist nicht das erste Land, das auf diese Weise von sich reden macht. Wir haben uns umgesehen und stellen hier die spannendsten Initiativen einzelner Länder vor, um sich ausländische Direktinvestitionen (engl.: FDI) zu sichern.

Was sind ausländische Direktinvestitionen?

Vereinfacht gesagt sind FDI grenzüberschreitende Kapitalflüsse. Das kann den Aufkauf einer ausländischen Firma bedeuten, die Einrichtung einer Filiale, einen Kapitalzuschuss, um die Produktionsfähigkeit einer Filiale zu steigern oder sie bei finanziellen Schwierigkeiten zu unterstützen.

Die Attraktivität ausländischer Direktinvestitionen wird so klar: Sie bringen Kostenreduzierung, Steuerersparnisse und die Erschließung neuer Märkte für Investorenländer, das Versprechen von Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen für das Gastland. Regelmäßig wird das Volumen ausländischer Direktinvestitionen, die besonders in den 80er-Jahren boomten, als Kriterium für die Attraktivität eines Landes herangezogen.

Wie kommt ein Land zu ausländischen Direktinvestitionen?

Ein Land, das für sich Werbung macht, will natürlich betonen, wie positiv die Rahmenbedingungen für Investitionen vor Ort sind: Wirtschaftskraft, demografische Faktoren und politische Lage zählen dabei genauso wie Kosten für Arbeitskräfte, die Beschaffenheit der Infrastruktur, Steuerlast für Unternehmen, Innovativität und Wirtschaftswachstum. Im Jahr 2016 waren diese 10 Länder laut Wikipedia Spitzenreiter bei der Akquise ausländischer Investitionen:

  1. USA
  2. Vereinigtes Königreich
  3. China
  4. Hong Kong
  5. Singapur
  6. Brasilien
  7. Frankreich
  8. Niederlande
  9. Australien
  10. Indien

Einige dieser Länder (wie China oder Indien) punkten vor allem durch Faktoren wie niedrige Produktionskosten, die viele Unternehmen dazu bringen, zum Beispiel ihre Produktionsstätten zu delokalisieren. Doch für Länder mit höheren Lebenshaltungskosten, wie die USA, Westeuropa oder Australien kann es schwieriger sein, ausländische Investoren zu finden.

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Eine Weltreise in Image-Kampagnen

Viele Länder entscheiden sich deshalb dazu, Werbekampagnen für ihren Standort aufzustellen, gründen gar Regierungs-Agenturen, spezielle Events und Gipfeltreffen oder mehr oder weniger originelle Internet-Kampagnen. Alle Faktoren, die ein Zielland investitionswürdig machen können, werden dabei herangezogen: gesetzliche und strukturelle Vorteile, konkrete Vergünstigungen für ausländische Unternehmen, die Güte des Weins vor Ort oder die Marktgröße.

USA

Im Land von Uncle Sam ist die Referenz für ausländische Investoren das Programm SelectUSA (früher: Invest in America), das vom US-Department of Commerce geleitet wird. Seit der Gründung 2007 hat die Organisation mehr als 25 Milliarden Dollar an Investitionen in amerikanische Kassen gespült.

SelectUSA organisiert außerdem jedes Jahr den “Select USA Investment Summit”, der vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Leitthemas immer wieder die Vorteile ausländischer Investitionen in den US-Markt vorstellt.

Brasilien

Brasilien ist das lateinamerikanische Land, das über die Jahre die meisten ausländischen Investitionen erhalten hat. Es verfügt ebenfalls über Regierungsorganisationen, die sich speziell um die Gewinnung ausländischer Investoren und Geschäftsleute kümmern: Die Internetpräsenz Invest & Export Brazil, aber auch die APEX Brazil, die brasilianische Agentur für die Promotion des Wirtschaftsstandorts Brasilien.

In diesem Rahmen auch interessant: die Konferenz über Investitionen in Lateinamerika (CLAIN), die zuletzt im September 2017 stattgefunden hat.

Frankreich

In den letzten Jahren und insbesondere seit der Wahl von Präsident Macron lässt sich steigendes Interesse an Investitionen in Frankreich feststellen. Mehrere Organisationen orchestrieren diese Rückkehr Frankreichs auf die internationale Bühne: Zu nennen ist die sogenannte French Tech, die junge französische Technologieunternehmen im Land und bis nach San Francisco vertritt (wo Frankreich auf der CES die am zweitstärksten vertretene Nation nach den USA war, mit mehr als 300 Startups.)

Des weiteren gibt es den kürzlich von Xavier Niel und Roxanne Varza gegründeten, weltweit grössten Inkubator für Startups, Station F, in Paris. Und schliesslich trägt auch die Agentur Business France dazu bei, durch Werbeaktionen, Whitebooks und Videos der ganzen Welt die Vorzüge Frankreichs zu präsentieren.

Vereinigtes Königreich

Wenn es ein Land gibt, das ab jetzt wahrscheinlich besonders viel in Standortwerbung investieren muss, ist das das Vereinigte Königreich. Seit dem Brexit-Referendum sorgen sich Investoren und ausländische Unternehmen zurecht um die Zukunft ihrer Anlagen im UK: die Wirtschaft wächst nicht mehr wie gewohnt, die Inflation hingegen steigt. Das Department for International Trade hat also einiges vor sich, will es ausländische Investitionen halten.

Deutschland

Die deutsche Agentur für Handel und Investitionen heisst Germany Trade. Sie gibt unter anderem ein Business-Magazin heraus und interviewt zahlreiche ausländische Investoren, die im Videobericht erzählen, warum sie den Standort Deutschland gewählt haben und man es ihnen gleichtun sollte.

Ein Label, das quasi von ganz alleine zum in der ganzen Welt geschätzten Gütezeichen für deutsche Qualität wurde, ist das berühmte “Made in Germany”. Ab den 1890er-Jahren in Großbritannien erfunden, um britische Verbraucher vor nicht-heimischen Produkten zu warnen, ist es heute das beliebteste seiner Art in der Welt. Ein Siegel, das sogar von ausländischen Werbeagenturen aufgegriffen wird, wie zum Beispiel in einem Spot für Opel, der in Frankreich gänzlich auf Deutsch ausgestrahlt wurde und so die gute Herkunft des Produkts mehr in den Vordergrund stellte als seine technischen Eigenschaften.

Der Rest der Welt: originell bis absurd

Von klassischen Regierungsagenturen abgesehen findet man in der Welt auch eine Reihe von mehr oder weniger originellen Werbekampagnen, die das Image eines Landes in einem ganz besonderen Licht erscheinen lassen sollen.

Hier belegt Schweden einen der ganz vorderen Plätze. 2016 rief die dortige Sweden’s Tourist Association eine spezielle Telefonnummer ins Leben, “The Swedish Number”, unter der jede und jeder aus der ganzen Welt anrufen und mit einem zufällig ausgewählten schwedischen Bürger sprechen konnte. Die Idee: Die Schwedinnen und Schweden selbst können am besten von ihrer Lebensqualität, ihrer florierenden Wirtschaft und ihrer schönen Landschaft sprechen. Während der 79 Tage, an denen die Nummer erreichbar war, wurden mehr als 200 000 Anrufe verzeichnet.

Das Schwedische Institut (schwedische Kulturinstitution) hat außerdem schon 2011 einen Twitter-Account, @sweden, ins Leben gerufen, auf dem jede Woche ein anderer schwedischer Bürger die Verantwortung übernimmt und posten kann, was sie oder er für richtig halten. Auf die schwedische Initiative folgten weitere Länder wie People Of Finland oder auch We Are Australia.

Australien war es übrigens auch, das 2013 mittels einer besonderen Kampagne von Tourism Australia von sich reden machte, den Best Jobs in the World. Es wurden mehr als 600 000 Bewerbungen aus 196 Ländern verzeichnet, die sich für Stellen wie Naturschützer in Südaustralien, Park Ranger in Queensland oder Fotoreporter in Melbourne vorstellten.

Zum Abschluss möchten wir Ihnen ein letztes Image-Video aus den Niederlanden nicht vorenthalten, das kurz nach der Amtseinführung Donald Trumps veröffentlicht wurde. Eine Lektion in Sachen Humor auf Holländisch:

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