Ein Best of der dmexco ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Um alle wichtigen Konferenzen auf der dmexco 2017 zu besuchen, bräuchte eine einzelne Person mehr als 11 Tage am Stück – und das, ohne auch nur eine Minute zu schlafen. Und von den Ständen hätte sie immer noch keinen gesehen. Allerdings gibt es immer Themen, die besonders aus dem Programm hervorstechen. Dieses Jahr war das ganz klar: Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen.

Future Views from the Valley

Das erste rein weibliche Panel fand direkt am Dienstagvormittag statt. Prof. Miriam Meckel, Herausgeberin der WirtschaftsWoche, empfing auf der Bühne der Congress Stage Margit Wennmachers, Venture Capitalist bei Andreessen Horowitz in Kalifornien und gerne als „Queen of Silicon Valley“ bezeichnet. Eine Bezeichnung, die sie selbst übrigens nicht so gerne hört und lieber von vielen zusammen arbeitenden „Co-Queens“ und „Co-Kings“ spricht.

Darum ging es

Was es braucht, um erfolgreich ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Und um Wennmachers persönliche Erfahrung im stark männlich dominierten Milieu der Venture Capitalists.

Das merken wir uns

„Ein Produkt zu entwerfen, heißt, den Willen und die Power zu haben, etwas entstehen zu lassen, von dem die Leute glauben, es sollte es nicht geben.“ Wennmachers bezog sich damit auf Sicherheitsbedenken, Landesgrenzen oder Regularien, die bei der Vermarktung eines Produkts Hürden darstellen können. Umgekehrt heißt das aber auch, dass man wahrscheinlich nichts Neues erfunden hat, wenn man nicht zumindest auf einige Vorbehalte stößt. Eigentlich klar. Die englische Originalvariante macht aber besonders deutlich, wie viel Durchsetzungskraft es dazu braucht: “Creating a product means you will something into existence that people think shouldn’t exist.“

Wichtige Konferenzen auf der dmexco 2017

„Wir brauchen viel mehr von allem.“ Gemeint ist: Mehr Vielfalt tut der Gesellschaft gut. Angesprochen auf sexistische Tendenzen in der Kultur des Silicon Valley, wie sie zuletzt bei Uber oder Google in Kritik standen, erzählte Wennmachers von einigen Erlebnissen in ihrer Karriere, die sie „sprachlos“ gemacht hätten: schlechtes Benehmen gegenüber Frauen zum Beispiel, das Männern mehr genutzt hätten als ihnen zu schaden. Doch sei die Frage nicht, ob es im Silicon Valley besser oder schlimmer als anderswo zugehe, sondern, dass es gesamtgesellschaftlich immer noch nicht vielfältig genug zugehe.

„Können wir in Deutschland ein zweites Silicon Valley aufbauen?“ Auf diese Frage antwortete Wennmachers mit einem klaren „Ja, aber“. Drei Aspekte müssten sich dafür in Deutschland noch weiterentwickeln: Die stärkere Förderung unternehmerischen Handelns und Ausprobierens von Seiten der Universitäten, eine positive Kultur des Scheiterns, sowie eine Geschichte des Fundings, die in den USA im Unterschied zu Europa schon mehr als 60 Jahre lang Tradition habe.

 

Sheryl Sandberg zu Gast

Am Nachmittag des gleichen Tages fand dann die zweifellos die bestbesuchte Konferenz der dmexco statt: Sheryl Sandberg, COO von Facebook, war höchstpersönlich in Köln zu Gast und gab eine Konferenz zum Thema „Building Community and Discovering Growth in a Mobile World“.

Darum ging es

Wie man als Unternehmen in einer übervernetzten und von Angeboten überfluteten Welt noch wachsen kann. Und wie man als mit dem Smartphone verwachsenes Individuum noch so etwas wie Gemeinschaft erleben kann.

Das merken wir uns

„Konzentriere dich auf deine Mission“. Sandbergs erster Tipp, um als Unternehmen wahrgenommen zu werden. Sie zitierte das Beispiel eines abgelegenen Hofladens auf dem deutschen Flachland, der dank der Digitalisierung seiner Kommunikation über Land- und Hofkultur zu einem bekannten Anlaufpunkt geworden war, und heute dank angegliedertem Café und Bauernhofmuseum mehr als 30 Angestellte zählt.

„Baue Gemeinschaft auf.“ Klar, dass Facebook-Frau Sandberg mit einem Tipp aus dieser Sparte aufwartet. Doch auch hier waren Beispiel und Kontext passend gewählt. Der klassische Marketing-Funnel aus Recherche, Entdecken, Awareness usw. sei am Kollabieren, wohingegen direkter Kontakt zu anderen Usern und Kunden immer wichtiger werde. Sandberg zitierte die „Papa-Gruppe“, in der sich Väter gegenseitig helfen oder ein Berliner Start-up, in dem Geflüchtete ihre selbstgebauten Möbel vermarkten: Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder einem Projekt sei wichtiger als eine klassische Markenbotschaft.

Der letzte Tipp fiel mit „Kommuniziere, wer du bist“ wenig überraschend aus, grundsätzlich gemeint war aber der Hinweis an Marken, sie sollten sich überlegen, was den Mobile-User beim Scrollen kurz innehalten ließe. Sicher kein schlechter Hinweis in Zeiten von mit immergleichen Inhalten überfüllten Timelines und ein Aufruf zu kreativen Marketing-Formaten.

Wichtige Konferenzen auf der dmexco 2017

Frauenpower @dmexco

Dass zwei der wichtigen Konferenzen auf der dmexco am ersten Tag stark weiblich besetzt waren, ist kein Zufall. Die dmexco hatte dieses Jahr das erste Mal mehrere gezielte Aktionen ins Leben gerufen, um den unternehmerischen Erfolg von Frauen hervorzuheben. Die von Female Quotient, einer internationalen Vereinigung von Frauen in Führungspositionen, gesponserte Girls‘ Lounge zum Beispiel, in der weibliche Branchenleader gezielt ihresgleichen treffen und sich vernetzen konnten. Neben spezifischen Roundtables, wie zum Beispiel der Women’s Leadership Table, setzte die dmexco dieses Jahr auch schon in der Präsentation einen besonderen Fokus auf Gleichberechtigung. So rief Christian Muche, Mitbegründer der Veranstaltung, zum Beispiel auf der eigens eingerichteten Seite zum Thema Gender Equality Unternehmen dazu auf, mehr Frauen in Führungspositionen zu recruiten. Wunsch der dmexco sei es, ausdrücklich mehr weibliche Sprecherinnen auf der Bühne zu begrüßen, die Unternehmen müssten aber entsprechende Kandidatinnen auch zum Zuge kommen lassen. Manch anderes Zitat auf dieser Seite mutet in seiner Plakativität zwar wie aus 1997 an („Frauen gehört die Zukunft.“), doch ein erster löblicher Schritt ist gemacht. Ohnehin bemisst sich der Erfolg bei Gleichberechtigung nicht in Absichtserklärungen und der Zahl an Frauen vorbehaltenen Lounges, sondern an tatsächlicher Präsenz in Führungsgremien und – wie im Fall der dmexco – auf der Bühne. Hier schneidet die dmexco mit einem Anteil von 31% weiblicher Speaker besser als viele andere deutsche und internationale Events ab.

Doch es gab noch mehr spannende Themen auf der dmexco! Wir hatten unter anderem Gelegenheit, mit Speakern von Novomind über Konversion im E-Commerce zu sprechen oder mit Webtrekk über die neue GDPR-Verordnung. Dazu mehr in unseren Artikeln nächsten und übernächsten Dienstag.
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