Klassische Reiseagenture, saisonale Vermietung von Ferienhäusern, Betreiber einer App, die Reisende auf der ganzen Welt miteinander vernetzt – was auch immer Ihr Unternehmenskonzept ist, es gibt ein paar entscheidende Aspekte, die unbedingt zu beachten sind, wenn Sie sich erfolgreich in der internationalen Tourismusbranche etablieren wollen. Der Tourismussektor weist mit durchschnittlich 7 % Wachstum pro Jahr weltweit eine starke Zunahme auf und bietet beinahe unbegrenzte Geschäftsmöglichkeiten. Trotzdem machen dem Sektor auch viele Veränderungen zu schaffen: saisonale Schwankungen, Politik und Wirtschaft, immer höhere Erwartungen von Reisenden, neue angesagte Reiseziele und Urlaubsformen und anderes. Wie kann die Internationalisierung in der Tourismusbranche also gelingen?


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Tourismusunternehmen: So gelingt die Internationalisierung

1. Machen Sie sich ein genaues Bild der Zielländer

– Wie ist das Marktpotenzial? Stichwörter: Umfang, Konkurrenz, kultureller/religiöser Kontext (der Ihre Entwicklung beeinflussen kann etc.)

– Wie sieht die Gesetzeslage aus? Stichwörter: Potenzielle Bremsen für Ihre Etablierung/Entwicklung (Umweltvorschriften, Tarifbestimmungen, …), staatliche Hilfen (finanzielle Unterstützung aus öffentlicher Hand, günstige gesetzliche Bestimmungen für ausländische Investitionen etc.)

– Wie ist die wirtschaftliche/politische Situation? Stichwörter: Kaufkraft der Bevölkerung (und damit Ihres potenziellen Zielmarktes), politische Stabilität, Infrastruktur und Verkehrsnetz (Flughäfen, Bahnlinien und Wasserstraßen etc.)

Alle diese Faktoren sollten Sie in der Anfangsphase Ihrer Länderauswahl berücksichtigen und in Ihr Geschäftsmodell einbeziehen.

Brauchen Sie Inspiration? Dann finden Sie hier einige Informationen, die bei der Erstellung der Liste Ihrer bevorzugten Reiseziele hilfreich sein können:

– Die Reiseziele mit dem deutlichsten Wachstum sind Europa und Afrika, insbesondere der Mittelmeerraum.

Spanien steht kurz davor, die Vereinigten Staaten vom zweiten Platz in der Rangliste der touristischsten Länder zu verdrängen. Frankreich bleibt auch weiterhin unangefochten an erster Stelle.

– Die Europäische Union verzeichnete 2016 ganze 500 Millionen Touristen und nahm dadurch 342 Milliarden Euro ein (das entspricht 31 % der weltweiten Einnahmen aus dem Tourismus). Darüber hinaus befinden sich fünf der zehn beliebtesten Destinationen weltweit in Europa: Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und das Vereinigte Königreich.

2. Passen Sie Ihr Branding an das internationale Publikum an

Haben Sie Ihre Länderliste einmal erstellt, müssen Sie Ihre Zielpersonen (also Ihre Buyer Persona) festlegen, denn Ihre deutschen Kunden unterscheiden sich ganz sicher stark von den Kunden im Ausland. Unter Umständen müssen Sie sowohl Ihr Angebot (angebotene Dienstleistungen, Preise, …) als auch Ihr Branding, also Ihren Unternehmensnamen, anpassen. Denn ein Wort kann in Deutschland eine bestimmte Bedeutung haben, die in anderen Ländern ganz anders ausfällt. Deshalb ist eine gute und professionelle Übersetzung Ihres Unternehmenskonzeptes und -namens von größter Bedeutung für eine erfolgreiche Internationalisierungsstrategie.

Einige Unternehmen haben sich bereits bewusst an fremde Märkte angepasst und setzen gute Beispiele für eine erfolgreiche Produktexport-Strategie:

– Die Marke Unilever benannte ihren Weichspüler in Frankreich „Cajoline“, in England hingegen „Snuggle“, um die Idee von Geschmeidigkeit beizubehalten.

– Coca-Cola entschied sich in den Vereinigten Staaten für die Bezeichnung „Diet Coke“, während das gleiche Getränk in Europa „Coca-Cola Light“ getauft wurde – denn das Wort „diet“ erinnert hierzulande zu stark an Diäten und strikte Ernährungspläne.

– Danone schreibt sich in den Vereinigten Staaten „Dannon“, damit sich Kunden den Markennamen leichter einprägen können.

Wie Sie sehen, gibt es unzählige Nuancen und Feinheiten, die im Rahmen einer Internationalisierung in der Tourismusbranche unbedingt zu beachten sind. Deshalb ist es sehr sinnvoll, sich an Fachleute zu wenden, die sich mit der Übersetzung touristischer Texte auskennen.

3. Lassen Sie sich beim Erkunden lokaler Feinheiten unterstützen

Germany Trade & Invest oder Industrie- und Handelskammern

Es gibt zahlreiche Institutionen wie zum Beispiel Germany Trade & Invest oder die Industrie- und Handelskammern – DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag), die deutsche Unternehmen bei ihrer Internationalisierung unterstützen. Ausführlichere Informationen hierzu finden Sie in diesem Blog-Beitrag.

Die Initiative EDEN (European Destination of ExcelleNce)

Die Initiative EDEN ist eine erstklassige Plattform zum Austausch von Best Practices auf europäischer Ebene. Sie hilft Unternehmern dabei ihr Potenzial voll auszuschöpfen und touristische Dienstleistungen zu entwickeln, die im Einklang mit den Grundprinzipien der nachhaltigen Entwicklung stehen.

Internationaler Tourismus: aufkommende Trends

4. Erstellen Sie ein Angebot, das auf Nachhaltigkeit beruht

Nachhaltiger Tourismus ist einer der bedeutendsten Trends im internationalen Tourismus. Die UNWTO (Weltorganisation für Tourismus) definiert nachhaltigen Tourismus als „einen Tourismus, der seinen derzeitigen und künftigen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen in vollem Umfang Rechnung trägt und damit den Anforderungen von Besuchern, Fachkräften der Fremdenverkehrsbranche, Umwelt und lokalen Gemeinschaften gerecht wird“.

Es handelt sich also um einen Balanceakt der sich aus drei Säulen zusammensetzt:

1. Umweltressourcen auf vernünftige Weise nutzen

Schutz der natürlichen Ressourcen und die Erhaltung der biologischen Vielfalt (und damit der Tiere). Manche Touristenattraktionen werden mehr und mehr in Frage gestellt, weshalb Sie Ihr Angebot unter Umständen überdenken sollten. Elefantenreiten in Thailand, in einem Metallkäfig mit Haien schwimmen in Südafrika – immer mehr Touristen scheuen solche Angebote, weil ihnen das Wohl der Tiere am Herzen liegt.

2. Die soziokulturelle Authentizität der lokalen Bevölkerung respektieren

Traditionelle Werte, interkulturelle Toleranz etc. Aus diesen und ähnlichen Gründen muss man manchmal darauf verzichten, gewisse Orte zu besuchen, wenn sie für die Einheimischen eine besondere Bedeutung haben. In Australien kletterten Touristen lange Zeit auf den Ayers Rock, was die Aborigines schockierte. Nach langen Jahren der Diskussion gab man schließlich den Einheimischen Recht und so darf dieser Ort ab 2019 nicht mehr touristisch genutzt werden.

3. Eine langfristig tragfähige Geschäftstätigkeit gewährleisten, damit alle auf ihre Kosten kommen

Sichere Arbeitsplätze, Zugang zu Sozialleistungen für die lokale Bevölkerung, Bekämpfung der Armut etc.

Hier können Sie sich sogar zertifizieren lassen und so Ihre Nachhaltigkeit dauerhauft unter Beweis stellen. Es gibt zahlreiche Labels, Zertifizierungen und Gütesiegel, mit denen Sie die Attraktivität Ihres Unternehmens in der internationalen Tourismusbranche steigern und Reisende in Ihre Zielgruppe integrieren können, die Wert auf verantwortungsvollen Tourismus legen.

5. Vergessen Sie nicht ihre digitale Präsenz

Buchungsplattformen im Internet, soziale Netzwerke, meinungsbildende Blogger etc. Heutzutage spielt sich ein Großteil der Kundeninteraktion in der digitalen Welt ab: 90 % aller Urlaube und Unternehmungen werden über das Internet vorbereitet. Hier einige Aspekte an denen ihre Zielgruppe agiert und die somit auch für Ihre Internationalisierungsstrategie interessant sein könnten:

– Auf Booking, Abritel, Trivago, Sunjet, Lastminute und ähnlichen Plattformen werden Recherchen nach besten Preisen durchgeführt.

– Auf Tripadvisor werden Meinungen und Erfahrungsberichte anderer Reisender nachgelesen.

– Auf Pinterest oder Instagram wird Inspiration für künftige Reiseziele gesucht.

– Es wird meinungsbildenden Bloggern gefolgt, die zusätzlich von verschiedensten Akteuren der Tourismusbranche umschmeichelt werden. Solche Reiseblogs haben teilweise mehrere Millionen Seiten- beziehungsweise Videoaufrufe pro Jahr.

– Nutzen Sie die Vorteile mobiler Endgeräte: mehr als 87 % aller Buchungen im Tourismusbereich (Transport, Unterkunft usw.) werden über Smartphones, Tablets, Laptops oder dergleichen abgeschlossen.

Alle Akteure der internationalen Tourismusbranche sollten sich schnellstens eine gut durchdachte digitale Strategie zurecht legen. Club Med hat diesen Schritt bereits hinter sich: alle Websites des Unternehmens wurden überarbeitet und responsiv gestaltet, wobei auch die Lesbarkeit auf Smartphones berücksichtigt wurde. Die Marke hat eine eigene App entwickelt, um das Nutzungserlebnis vor, während und nach dem Urlaub zu optimieren (Informationen zu Bars, Restaurants, Veranstaltungen, Buchung von Freizeitaktivitäten usw.). Die Reisebüros wurden von Grund auf umgestaltet, damit Kunden sofort in potenzielle Urlaubsziele eintauchen können (riesige Bildschirme mit Bildern und Videos von malerischen Dörfern, bereitgestellte Tablets zum selbstständigen Erkunden interessanter Destinationen, Virtual-Reality-Brillen für das virtuelle Eintauchen in unbekannte Gegenden und Länder…). Ergebnis: Während die Anzahl der mobilen Nutzer 2013 noch bei 30 % lag, war sie Ende 2016 auf 55 % angestiegen.

6. Zusätzliche Herausforderung: Themenreisen

Zusätzlich zu der Herausforderung, sich gegen eine starke Konkurrenz durchzusetzen, müssen Sie sich heutzutage auch an die neuen Erwartungen von Reisenden anpassen, die insbesondere im internationalen Tourismus ins Gewicht fallen. Hier einige Beispiele: Umweltbewusster Tourismus, Reisen mit dem Attribut „gay friendly“, Kulturreisen (spirituelle oder historische Pilgerreisen), Wellnessreisen, Aufenthalte bei Gastfamilien, Betriebsreisen (z. B. der Besuch einer Brennerei in Irland oder einer traditionellen Käsefabrik in Griechenland).

Hierbei handelt es sich nicht mehr um klassische Entspannungsurlaube, sondern vielmehr um „thematische“ Reisen, die sich auf Marktnischen spezialisieren und kaum noch etwas mit dem traditionellen Tourismus gemein haben.
Das hat der Verlag Les Arènes erkannt. Dieses französische Verlagshaus für Reiseführer brachte eine Serie von unkonventionellen Reiseführern namens „Out of the Box“ heraus, die sich zum Ziel setzen, unbekannte, moderne, kreative Stadtviertel zu präsentieren. So leitet der Reiseführer über New York seine Leser beispielsweise zu Dachterrassen, Hinterhöfen, Food-Trucks, Brunchs und Flohmärkten.

Der internationale Tourismussektor ist in ständiger Bewegung. Um Erfolg zu haben und sich von der Konkurrenz abzuheben, muss man Augen und Ohren offen halten, Marktnischen beobachten und seine Anpassungsfähigkeit in Sachen Dienstleistungen, Angebote, Nutzungserlebnisse, Reiseziele und vielem mehr ständig unter Beweis stellen.

Internationalisierung deutscher E-Commerce

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Übersetzung und Website-Lokalisierung: Best Practices

Klassische Reiseagenture, saisonale Vermietung von Ferienhäusern, Betreiber einer App, die Reisende auf der ganzen Welt miteinander vernetzt – was auch immer Ihr Unternehmenskonzept ist, es gibt ein paar entscheidende Aspekte, die unbedingt zu beachten sind, wenn Sie sich erfolgreich in der internationalen Tourismusbranche etablieren wollen. Der Tourismussektor weist mit durchschnittlich 7 % Wachstum pro Jahr weltweit eine starke Zunahme auf und bietet beinahe unbegrenzte Geschäftsmöglichkeiten. Trotzdem machen dem Sektor auch viele Veränderungen zu schaffen: saisonale Schwankungen, Politik und Wirtschaft, immer höhere Erwartungen von Reisenden, neue angesagte Reiseziele und Urlaubsformen und anderes. Wie kann die Internationalisierung in der Tourismusbranche also gelingen?


Sie stecken mitten in der Lokalisierung und Übersetzung Ihrer Website? Unser E-Book hilft Ihnen weiter 


Tourismusunternehmen: So gelingt die Internationalisierung

1. Machen Sie sich ein genaues Bild der Zielländer

– Wie ist das Marktpotenzial? Stichwörter: Umfang, Konkurrenz, kultureller/religiöser Kontext (der Ihre Entwicklung beeinflussen kann etc.)

– Wie sieht die Gesetzeslage aus? Stichwörter: Potenzielle Bremsen für Ihre Etablierung/Entwicklung (Umweltvorschriften, Tarifbestimmungen, …), staatliche Hilfen (finanzielle Unterstützung aus öffentlicher Hand, günstige gesetzliche Bestimmungen für ausländische Investitionen etc.)

– Wie ist die wirtschaftliche/politische Situation? Stichwörter: Kaufkraft der Bevölkerung (und damit Ihres potenziellen Zielmarktes), politische Stabilität, Infrastruktur und Verkehrsnetz (Flughäfen, Bahnlinien und Wasserstraßen etc.)

Alle diese Faktoren sollten Sie in der Anfangsphase Ihrer Länderauswahl berücksichtigen und in Ihr Geschäftsmodell einbeziehen.

Brauchen Sie Inspiration? Dann finden Sie hier einige Informationen, die bei der Erstellung der Liste Ihrer bevorzugten Reiseziele hilfreich sein können:

– Die Reiseziele mit dem deutlichsten Wachstum sind Europa und Afrika, insbesondere der Mittelmeerraum.

Spanien steht kurz davor, die Vereinigten Staaten vom zweiten Platz in der Rangliste der touristischsten Länder zu verdrängen. Frankreich bleibt auch weiterhin unangefochten an erster Stelle.

– Die Europäische Union verzeichnete 2016 ganze 500 Millionen Touristen und nahm dadurch 342 Milliarden Euro ein (das entspricht 31 % der weltweiten Einnahmen aus dem Tourismus). Darüber hinaus befinden sich fünf der zehn beliebtesten Destinationen weltweit in Europa: Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und das Vereinigte Königreich.

2. Passen Sie Ihr Branding an das internationale Publikum an

Haben Sie Ihre Länderliste einmal erstellt, müssen Sie Ihre Zielpersonen (also Ihre Buyer Persona) festlegen, denn Ihre deutschen Kunden unterscheiden sich ganz sicher stark von den Kunden im Ausland. Unter Umständen müssen Sie sowohl Ihr Angebot (angebotene Dienstleistungen, Preise, …) als auch Ihr Branding, also Ihren Unternehmensnamen, anpassen. Denn ein Wort kann in Deutschland eine bestimmte Bedeutung haben, die in anderen Ländern ganz anders ausfällt. Deshalb ist eine gute und professionelle Übersetzung Ihres Unternehmenskonzeptes und -namens von größter Bedeutung für eine erfolgreiche Internationalisierungsstrategie.

Einige Unternehmen haben sich bereits bewusst an fremde Märkte angepasst und setzen gute Beispiele für eine erfolgreiche Produktexport-Strategie:

– Die Marke Unilever benannte ihren Weichspüler in Frankreich „Cajoline“, in England hingegen „Snuggle“, um die Idee von Geschmeidigkeit beizubehalten.

– Coca-Cola entschied sich in den Vereinigten Staaten für die Bezeichnung „Diet Coke“, während das gleiche Getränk in Europa „Coca-Cola Light“ getauft wurde – denn das Wort „diet“ erinnert hierzulande zu stark an Diäten und strikte Ernährungspläne.

– Danone schreibt sich in den Vereinigten Staaten „Dannon“, damit sich Kunden den Markennamen leichter einprägen können.

Wie Sie sehen, gibt es unzählige Nuancen und Feinheiten, die im Rahmen einer Internationalisierung in der Tourismusbranche unbedingt zu beachten sind. Deshalb ist es sehr sinnvoll, sich an Fachleute zu wenden, die sich mit der Übersetzung touristischer Texte auskennen.

3. Lassen Sie sich beim Erkunden lokaler Feinheiten unterstützen

Germany Trade & Invest oder Industrie- und Handelskammern

Es gibt zahlreiche Institutionen wie zum Beispiel Germany Trade & Invest oder die Industrie- und Handelskammern – DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag), die deutsche Unternehmen bei ihrer Internationalisierung unterstützen. Ausführlichere Informationen hierzu finden Sie in diesem Blog-Beitrag.

Die Initiative EDEN (European Destination of ExcelleNce)

Die Initiative EDEN ist eine erstklassige Plattform zum Austausch von Best Practices auf europäischer Ebene. Sie hilft Unternehmern dabei ihr Potenzial voll auszuschöpfen und touristische Dienstleistungen zu entwickeln, die im Einklang mit den Grundprinzipien der nachhaltigen Entwicklung stehen.

Internationaler Tourismus: aufkommende Trends

4. Erstellen Sie ein Angebot, das auf Nachhaltigkeit beruht

Nachhaltiger Tourismus ist einer der bedeutendsten Trends im internationalen Tourismus. Die UNWTO (Weltorganisation für Tourismus) definiert nachhaltigen Tourismus als „einen Tourismus, der seinen derzeitigen und künftigen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen in vollem Umfang Rechnung trägt und damit den Anforderungen von Besuchern, Fachkräften der Fremdenverkehrsbranche, Umwelt und lokalen Gemeinschaften gerecht wird“.

Es handelt sich also um einen Balanceakt der sich aus drei Säulen zusammensetzt:

1. Umweltressourcen auf vernünftige Weise nutzen

Schutz der natürlichen Ressourcen und die Erhaltung der biologischen Vielfalt (und damit der Tiere). Manche Touristenattraktionen werden mehr und mehr in Frage gestellt, weshalb Sie Ihr Angebot unter Umständen überdenken sollten. Elefantenreiten in Thailand, in einem Metallkäfig mit Haien schwimmen in Südafrika – immer mehr Touristen scheuen solche Angebote, weil ihnen das Wohl der Tiere am Herzen liegt.

2. Die soziokulturelle Authentizität der lokalen Bevölkerung respektieren

Traditionelle Werte, interkulturelle Toleranz etc. Aus diesen und ähnlichen Gründen muss man manchmal darauf verzichten, gewisse Orte zu besuchen, wenn sie für die Einheimischen eine besondere Bedeutung haben. In Australien kletterten Touristen lange Zeit auf den Ayers Rock, was die Aborigines schockierte. Nach langen Jahren der Diskussion gab man schließlich den Einheimischen Recht und so darf dieser Ort ab 2019 nicht mehr touristisch genutzt werden.

3. Eine langfristig tragfähige Geschäftstätigkeit gewährleisten, damit alle auf ihre Kosten kommen

Sichere Arbeitsplätze, Zugang zu Sozialleistungen für die lokale Bevölkerung, Bekämpfung der Armut etc.

Hier können Sie sich sogar zertifizieren lassen und so Ihre Nachhaltigkeit dauerhauft unter Beweis stellen. Es gibt zahlreiche Labels, Zertifizierungen und Gütesiegel, mit denen Sie die Attraktivität Ihres Unternehmens in der internationalen Tourismusbranche steigern und Reisende in Ihre Zielgruppe integrieren können, die Wert auf verantwortungsvollen Tourismus legen.

5. Vergessen Sie nicht ihre digitale Präsenz

Buchungsplattformen im Internet, soziale Netzwerke, meinungsbildende Blogger etc. Heutzutage spielt sich ein Großteil der Kundeninteraktion in der digitalen Welt ab: 90 % aller Urlaube und Unternehmungen werden über das Internet vorbereitet. Hier einige Aspekte an denen ihre Zielgruppe agiert und die somit auch für Ihre Internationalisierungsstrategie interessant sein könnten:

– Auf Booking, Abritel, Trivago, Sunjet, Lastminute und ähnlichen Plattformen werden Recherchen nach besten Preisen durchgeführt.

– Auf Tripadvisor werden Meinungen und Erfahrungsberichte anderer Reisender nachgelesen.

– Auf Pinterest oder Instagram wird Inspiration für künftige Reiseziele gesucht.

– Es wird meinungsbildenden Bloggern gefolgt, die zusätzlich von verschiedensten Akteuren der Tourismusbranche umschmeichelt werden. Solche Reiseblogs haben teilweise mehrere Millionen Seiten- beziehungsweise Videoaufrufe pro Jahr.

– Nutzen Sie die Vorteile mobiler Endgeräte: mehr als 87 % aller Buchungen im Tourismusbereich (Transport, Unterkunft usw.) werden über Smartphones, Tablets, Laptops oder dergleichen abgeschlossen.

Alle Akteure der internationalen Tourismusbranche sollten sich schnellstens eine gut durchdachte digitale Strategie zurecht legen. Club Med hat diesen Schritt bereits hinter sich: alle Websites des Unternehmens wurden überarbeitet und responsiv gestaltet, wobei auch die Lesbarkeit auf Smartphones berücksichtigt wurde. Die Marke hat eine eigene App entwickelt, um das Nutzungserlebnis vor, während und nach dem Urlaub zu optimieren (Informationen zu Bars, Restaurants, Veranstaltungen, Buchung von Freizeitaktivitäten usw.). Die Reisebüros wurden von Grund auf umgestaltet, damit Kunden sofort in potenzielle Urlaubsziele eintauchen können (riesige Bildschirme mit Bildern und Videos von malerischen Dörfern, bereitgestellte Tablets zum selbstständigen Erkunden interessanter Destinationen, Virtual-Reality-Brillen für das virtuelle Eintauchen in unbekannte Gegenden und Länder…). Ergebnis: Während die Anzahl der mobilen Nutzer 2013 noch bei 30 % lag, war sie Ende 2016 auf 55 % angestiegen.

6. Zusätzliche Herausforderung: Themenreisen

Zusätzlich zu der Herausforderung, sich gegen eine starke Konkurrenz durchzusetzen, müssen Sie sich heutzutage auch an die neuen Erwartungen von Reisenden anpassen, die insbesondere im internationalen Tourismus ins Gewicht fallen. Hier einige Beispiele: Umweltbewusster Tourismus, Reisen mit dem Attribut „gay friendly“, Kulturreisen (spirituelle oder historische Pilgerreisen), Wellnessreisen, Aufenthalte bei Gastfamilien, Betriebsreisen (z. B. der Besuch einer Brennerei in Irland oder einer traditionellen Käsefabrik in Griechenland).

Hierbei handelt es sich nicht mehr um klassische Entspannungsurlaube, sondern vielmehr um „thematische“ Reisen, die sich auf Marktnischen spezialisieren und kaum noch etwas mit dem traditionellen Tourismus gemein haben.
Das hat der Verlag Les Arènes erkannt. Dieses französische Verlagshaus für Reiseführer brachte eine Serie von unkonventionellen Reiseführern namens „Out of the Box“ heraus, die sich zum Ziel setzen, unbekannte, moderne, kreative Stadtviertel zu präsentieren. So leitet der Reiseführer über New York seine Leser beispielsweise zu Dachterrassen, Hinterhöfen, Food-Trucks, Brunchs und Flohmärkten.

Der internationale Tourismussektor ist in ständiger Bewegung. Um Erfolg zu haben und sich von der Konkurrenz abzuheben, muss man Augen und Ohren offen halten, Marktnischen beobachten und seine Anpassungsfähigkeit in Sachen Dienstleistungen, Angebote, Nutzungserlebnisse, Reiseziele und vielem mehr ständig unter Beweis stellen.

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